Madeleines frisch gebacken Goldgelb, sehr zart-luftig und mit angenehmer Feuchtigkeit sind original Madeleines vom Bäcker oder Konditor

Madeleines

La Madeleine, zu Deutsch die Madeleine, ist ein französisches Kleingebäck mit landesweiter Bekanntheit.

Madeleines kennt in Frankreich jedes Kind, denn das süsse, feine Sandgebäck wird gern am Nachmittag genascht.

Madeleine-Teig wird Mehl, Puderzucker, Ei, Natron, Zitronenschale und Butter zubereitet, oft mit Rum oder „Fleur d’Orange“ aromatisiert. Durch das Backen von Madeleines in speziellen Formen erhalten die Feinbackwaren, die man hier so gern in heisse Schokolade, Kaffee oder Tee tunkt, ihre Form als Jakobsmuschel.

Madeleines Varianten als „petites madeleines“, „madeleines chocolat“ oder „madeleines coco“ gibt es längst auch mit Rosinen oder Kakao, Schokostücken oder anderen Zutaten, zunehmend auch industriell gefertigt und in Supermärkten zu finden.

Herkunft der Madeleine

Madeleines stammen aus dem Ort Commercy, einer französischen Gemeinde im Departement Meuse, die eine Sub-Präfektur mit Verdun bildet, in der Frankreich-Region Lothringen.

Madeleines - durch Geschrei und Schriftstellerkunst berühmt.

Seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis zum Vorabend des Zweiten Weltkriegs machten die Frauen in dem lothringischen Ort Commercy die Madeleine berühmt: Wenn sich auf dem Bahnhof die Reisenden beim Ein- und Aussteigen drängten, liefen sie mit ihren grossen Körben frisch gebackene Madeleines durch die Menge und versuchten so viel wie möglich von dem Backwerk mit lautem Geschrei loszuwerden.

Produkt-Placement, Werbung für Madeleines - von Marktfrauen und Schriftstellern

Madeleines extra lang aus der NormandieWeil sie dabei die Konkurrentinnen, die Dampflok und das Stimmengewirr der Reisenden, oft auch betrunkene Soldaten, übertönen mussten, waren die Madeleine-Händlerinnen oft heiser und nahmen zum besseren Schreien selbst ihre Kinder mit.

Das ungewöhnliche Schauspiel der Anbietern frischer Madeleines wurde allmählich zum regelrechten Kult, und das von den Eisenbahn-Passagieren nun schon mit Spannung erwartete, bunte und laute Spektakel wurde einzigartig im gesamten französisch Schienennetz. Die Popularität der Madeleine gewann dadurch immens und etablierte sich bei denen, die sich zu den „besseren Kreisen“ zählten.

Von Lothringen aus ist es nicht weit bis in die Normandie, wo der grosse Schriftsteller Marcel Proust in seinem Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ den Madeleines mehrere Seiten in einem seiner berühmtesten Romane widmet. Der Geschmack einer in Tee getunkten Madeleine erinnert den Ich-Erzähler Proust an seine Kindheit und wird damit zum Katalysator des gesamten Werks, welches u.a. in monatelangen Aufenthalten in Cabourg und Trouville-sur-Mer entstand.

Zitat zu Madeleines von Marcel Proust

„Viele Jahre lange hatte von Combray außer dem, was der Schauplatz und das Drama meines Zubettgehens war, nichts mehr für mich existiert, als meine Mutter an einem Wintertag, an dem ich durchfroren nach Hause kam, mir vorschlug, ich solle entgegen meiner Gewohnheit eine Tasse Tee zu mir nehmen. Ich lehnte erst ab, besann mich dann aber, ich weiß nicht warum, eines anderen. Sie ließ daraufhin eines jener dicklichen, ovalen Sandtörtchen holen, die man „Petites Madeleines“ nennt und die aussehen, als habe man dafür die gefächerte Schale einer Jakobs-Muschel benutzt. Gleich darauf führte ich, ohne mir etwas dabei zu denken, doch bedrückt über den trüben Tag und die Aussicht auf ein trauriges Morgen, einen Löffel Tee mit einem aufgeweichten kleinen Stück Madeleine darin an die Lippen. In der Sekunde nun, da dieser mit den Gebäckkrümeln gemischte Schluck Tee meinen Gaumen berührte, zuckte ich zusammen und war wie gebannt durch etwas Ungewöhnliches, das sich in mir vollzog. Ein unerhörtes Glücksgefühl, das ganz für sich allein bestand und dessen Grund mir unbekannt blieb, hatte mich durchströmt. Es hatte mir mit einem Schlag, wie die Liebe, die Wechselfälle des Lebens gleichgültig werden lassen, seine Katastrophen ungefährlich, seine Kürze imaginär, und es erfüllte mich mit einer köstlichen Essenz; oder vielmehr: diese Essenz war nicht in mir, ich war sie selbst. Ich hatte aufgehört mich mittelmäßig, zufallbedingt, sterblich zu fühlen. Woher strömte diese mächtige Freude mir zu? Ich fühlte, daß sie mit dem Geschmack des Tees und des Kuchens in Verbindung stand, daß sie aber weit darüber hinausging und von ganz anderer Wesensart sein mußte. Woher kam sie mir? Was bedeutete sie? Wo konnte ich sie fassen? Ich trinke einen zweiten Schluck und finde nichts darin als im ersten, dann einen dritten, der mir etwas weniger davon schenkt als der vorige. Ich muß aufhören, denn die geheime Kraft des Trankes scheint nachzulassen. Es ist ganz offenbar, daß die Wahrheit, die ich suche, nicht in ihm ist, sondern in mir. Er hat sie dort geweckt, kennt sie aber nicht und kann nur auf unbestimmte Zeit und mit ständig schwindender Stärke seine Aussage wiederholen, die ich gleichwohl nicht zu deuten weiß und die ich wenigstens wieder von neuem aus ihm herausfragen und unverfälscht etwas später zu meiner Verfügung haben möchte, um eine entscheidende Erleuchtung daraus zu schöpfen. Ich stelle die Tasse ab und wende mich meinem Geist zu. Er muß die Wahrheit finden.“ (Aus: Proust, Marcel: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit; 10 Bde. Frankfurt am Main 1979, Bd. 1, S. 63-67)

Foto: Createurs de Saveurs / R. Rinnau

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